Ungewohnter Ehrgeiz

Gestern durfte ich beim super organisierten Kleinkunstbrettl im schönen U1 in Garmisch vor 150 Leuten eine Viertelstunde Set spielen, habe tolle Kollegen kennen gelernt und die größte Gage meiner noch kurzen Karriere bekommen. Der Auftritt war nicht perfekt, aber ich war zufrieden und das Publikum war super drauf. Trotzdem bin ich mit einer gedrückten Stimmung nach Hause gefahren.

Es war nämlich die erste Veranstaltung, an der ich teilgenommen hatte, bei der am Ende ein Sieger gekürt wurde. Gewonnen haben hochverdient die Mädels von Katiju, studierte Musikerinnen aus Dresden, mit portugiesischen und türkischen Akustiksongs. Sie haben sich im Finale gegen meinen guten Freund und Wegbegleiter Honey Who, seines Zeichens Comedian und Poetry-Slammer, durchgesetzt.

Auch die vier anderen Acts des Abends waren in ihren jeweiligen Genres absolute Klasse und es wäre eine Anmaßung, mich als Anfänger über sie zu stellen. Das war mir aller spätestens klar, als ich sie alle kennen gelernt hatte. Trotzdem ging mir ein Gedanke den ganzen Abend nicht aus dem Hinterkopf: „Wie cool wäre das eigentlich, wenn du das hier heute gewinnst?!“

Ich hatte ein Gefühl, das ich in diesem Ausmaß in meinem Leben noch nie erlebt hatte. Nicht in der Schule, nicht an der Uni, nicht in der Musik, nicht bei einem meiner 100 begonnenen Hobbies. Ist das wie sich echter Ehrgeiz anfühlt?

Einerseits freut es mich natürlich riesig, dass ich dieses Gefühl entwickelt habe. Denn das bedeutet, dass ich mit großer Begeisterung und Leidenschaft dabei bin. Andererseits nahm es mir auch ein bisschen den Spaß an dem Abend. Ich war nervöser und angespannter als normal, und habe wohl auch auf Andere einen reservierten und fast arroganten Eindruck gemacht, den ich absolut nicht abgeben möchte. Ganz im Gegenteil!

Letztendlich war es das Beste was passieren konnte, dass ich an dem Abend keine weitere Erwähnung mehr fand. Immer schön am Boden bleiben. Morgen spiele ich erst mal vor 500 Leuten in Ulm, und der nächste Wettbewerb ist am 5.Mai bei „Kunst gegen Bares“ in Landshut.

Und da gewinn‘ ich den Bumms, verdammt nochmal! 😉